1.Fanfarenzug 1962 e.V. Bruchsal

Die Landsknechte

In der deutschen Sprache erscheint das Wort Landsknechte zum ersten mal um 1470. Landsknecht bedeutet einfach Dienstmann des Landes. Heutzutage versteht man darunter den typischen deutschen Söldner zu Zeiten Kaiser Maximilians I. (1493 - 1519) und seines Enkels Karl V. (1519 - 1556).
Die Bildung dieser Heere bedeutete einen Umbruch in der Kriegsführung, da sich zeigte, das die bisherigen Reiterheere machtlos gegen eine geordnete Fußtruppe mit ihren Spießen und die neuen Handfeuerwaffen waren. Zudem waren die Kosten zur Aufstellung und Unterhaltung einer derartigen Truppe wirtschaftlicher. Den Kriegsdienst besorgten sogenannte Kriegsherren. Sie waren in der Lage eine so große Infanterie bereitzustellen, meistens mit Spießen ausgerüstete Soldaten, ganz in der Art der bekannten Schweizer.
1487/1488 gründete Kaiser Maximilian I. den Schwäbischen Bund und stellte ein Heer auf, um die Fürsten von Bayern und Böhmen in Schach zu halten. Dieses Heer, das 12000 Fußsoldaten und 1200 Reiter umfasste, wird als das erste deutsche Landsknechtsheer angesehen. Nach ersten Siegen in den Niederlanden und Böhmen ließ Maximilian I. 1490, nach dem Sturm auf die Festung Stuhlweißenberg in Böhmen, seine Landsknechte einen Treueeid schwören. Indem Maximilian das militärische System und die Taktiken der Schweizer übernahm, gelang es ihm, seinen Truppen Disziplin und Kampfgeist beizubringen.

Die Aufstellung

Benötigte ein Fürst eine Truppe, überreichte er einem erfahrenen Kriegsmann einen Bestallungsbrief, mit dem er ihn unter Vertrag nahm. Dieser Brief bestand aus dem Auftrag zur Anwerbung von Soldaten und dem Artikelbrief, der die rechtlichen Bedingungen regelte, die von den Landsknechten eingehalten werden mussten. Nach der Regelung der rechtlichen und der finanziellen Seite wählte der Obrist seinen Stellvertreter, den Locotenent (Oberstleutnant) und die Hauptleute für die einzelnen Fähnlein aus. Gute Kriegsleute, wie Frundsberg und von Sickingen, waren in der Lage, innerhalb einiger Wochen ein Heer von etwa 20000 Soldaten aufzustellen. Bei der Auswahl der einzelnen Landsknechte war ihre Befähigung und das Vorhandensein einer eigenen Ausrüstung von Bedeutung.
Nachdem sich die Rekruten in die Musterungsrolle eingeschrieben hatten, mussten sie sich zur Musterungsparade einfinden. Nachdem sie sich in Doppelreihen gegenüber aufgestellt hatten,  gingen sie durch ein Joch, das aus zwei Hellebarden und einem Spieß gebildet wurde. Neben dem Joch stand der Musterungsoffizier und achtete darauf, dass jeder Mann gesund war. Ein Regiment setzte sich aus mehreren Fähnlein zusammen, von denen wiederum jedes aus 400 Landsknechten bestand. Jedes Fähnlein zählte 100 Doppelsöldner, die erfahrene Soldaten waren, und das Doppelte an Sold gegenüber einem einfachen Fußsoldaten erhielten. Nachdem die Landsknechte den Sold für einen Monat erhalten hatten, versammelten sie sich um den Obristen. Hier wurden sie dann in ihren Rechten und Pflichten gemäß dem Artikelbrief unterwiesen. Sodann wurde der Treueeid gesprochen, indem jeder Landsknecht seine Treue zur Sache, zum Kaiser, zu den Offizieren und den Bestimmungen des Artikelbriefes schwor. Der vom Obristen eingesetzte Profoß, bzw. Schultheiß überwachte die Einhaltung dieser Bestimmungen.

Organisation

Jedes Regiment bestand normalerweise aus zehn Fähnlein, die wiederum in Rotten aufgeteilt wurden. Jede Rotte bestand aus zehn Landsknechten oder sechs Doppelsöldnern. Das Regiment wurde vom Feldobristen angeführt, wenn der Obrist mehrere Regimenter befehligte, erhielt er den Rang eines Obersten Feldhauptmannes. Dann wurde das einzelne Regiment vom Locotenent geführt. 1507 wurde auf dem Konstanzer Reichstag festgelegt, dass der Obrist sich einen Stab von 22 Leuten halten sollte, zu denen ein Kaplan, ein Feldarzt, ein Schreiber, ein Quartiermeister, ein Proviantmeister, ein Fuhrknecht, Trommler und Pfeifer und acht verlässliche Männer als Leibwache zählten. Jedem Hauptmann eines Fähnleins stand ein Koch, ein Diener und zwei Doppelsöldner als Leibwache zu.
Der Oberste Feldweibel war für die Schlachtaufstellung zuständig. Der Feldweibel war verantwortlich für die Ausbildung und Aufstellung. Den Weibel und Gemeinweibel oblag die Disziplin zwischen Offizieren und Landsknechten.

Aufstellung und Taktiken

Die Schweizer bevorzugten einen schnellen Kampf und richteten ihre Formationen aus, mit einer Vorhut, einem keilförmig Gewalthaufen und einer Nachhutbevorzugt, um die Stoßkraft der . Bei den Deutschen, wurde mehr ein defensiver Kampfstil gegnerischen Soldaten zu brechen. Aufgrund dieser verschiedenen Taktiken war der Feldherr stets darauf bedacht seinen Gegner auszumanövrieren, um in den Besitz des besseren Geländes zu kommen. Die deutschen Landsknechte führten eine neue taktische Ordnung ein, in der Soldaten mit Arkebusen und Spießen gemeinsam kämpften. Diese Formation nannte man Gevierthaufen. In der Mitte bildeten Männer mit Spießen und  Hellebarden einen starken Block. Hinter den ersten zwei Reihen mit erfahrenen Doppelsöldnern standen inmitten der ersten drei Fähnlein die Bannerträger. Dann kamen die Spießer der vier mittleren Fähnlein. Am Schluss kamen die drei Fahnenträger der anderen Fähnlein. Rundherum standen die von den Spießern geschützten Arkebusiere. Mitte des 16. Jahrhunderts kam dem Arkebuse mehr Bedeutung zu. Ein Regiment in Vierecksformation hatte an den Flanken Arkebusiere, die vorstießen um zu feuern, sich anschließend zurückzogen um zu laden, um die Wucht des Vormarsches zu erhalten. Zur Unterstützung der defensiven Position waren die Geschütze vor dem Heer aufgestellt. Um die Artillerie zu beschützen, wurden erfahrene Männer in die ersten Reihen gestellt. Beim Vorrücken ging eine vorderste Linie voran, die man den verlorenen Haufen nannte. Deren Aufgabe bestand darin, den Feind abzuwehren und seine Kampfspitze einzudrücken, so dass in die entstandenen Lücken nachrückende eigene Soldaten eindringen konnten. Um den verlorenen Haufen kenntlich zu machen, befand sich eine große rote Fahne in der ersten Reihe. Als Schutzstellung formierten sich die Landsknechte manchmal auch zu einem Igel. Dabei begaben sich die Arkebusiere in die dritte Reihe, die Spießer oder Pikeniere standen außen, mit Hellebarden und Bihändern bewaffnete Landsknechte standen in den Lücken der ersten und zweiten Linie, dadurch hatten die Schützen Platz zum Feuern.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ging allmählich die bunte Kleidung des Landsknechts mit der fortschreitenden Entwicklung der Feuerwaffen verloren. Damit endete eines der farbigsten Kapitel der Militärgeschichte. 

Mit freundlicher Genehmigung von Landsknechtsportal.de


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© 1997 1. Fanfarenzug 1962 e.V. Bruchsal. / Letzte Änderung 26.05.2007