1.Fanfarenzug 1962 e.V. Bruchsal

Chronik unserer Instrumente

Fanfare                                                
Die Fanfare ist ein trompetenähnliches Instrument und wird deshalb auch Heroldtrompete genannt. Der Klang wird nur durch die Schwingung der Lippen des Fanfarenspielers am Mundstück erzeugt, sie besitzt keine Ventile.

Immer mehr Bewunderung und Aufmerksamkeit, weit über die Landesgrenzen hinaus, ziehen historische Fanfarenzüge auf sich. Auf eine stolze Tradition, die bis ins tiefe Mittelalter zurückreicht, können Sie inzwischen zurückblicken. Waren es zunächst Leute vom ,,Fahrenden Volk", einzeln oder in Gauklertruppen, die bis ins 15. Jahrhundert ihren Lebensunterhalt damit verdienten, ihre Trompetenkünste der Öffentlichkeit vorzustellen. Die damaligen Trompeten hatten eine Länge von bis zu drei Metern Länge und reine Naturinstrumente ohne Ventile und Klappen,  was natürlich nicht gerade sehr handlich war. So konnte jedoch auf einem solchen Rohr mit seinem Schallbecher die ganze Dur-Tonleiter gespielt werden. Hergestellt wurden B,C,D und Es-Trompeten, wobei bei den meisten Bläsern die letztere aufgrund ihres scharf und stark tönenden Signal und des annehmproportionalen Tonkörper, Verwendung fand. 

Bei Hofe und in freien Reichsstädten wurde indessen, fleißigen und versierten Trompeter als Rats-, Stadt-, und Turmtrompeter beschäftigt, nicht zuletzt als kriegsentscheidende Nachrichtenübermittler bei Feldzügen. Sie erhielten Privilegien, die ihnen einen besonderen Status innerhalb in der Gesellschaft verliehen und besaßen die Funktionen von Gesandten und Geheimnisträgern. Zu einer Reichszunft der ,,Cammeradschaft der Feldtrompeter und Heerpauker fanden Sie sich im Jahre 1623 zusammen, die auf eine strenge und auf Disziplin bauende Ordnung hatte. Genau festgelegt waren die Aufnahmebedingungen und Ausbildung, und man stellte den Missbrauch der Trompete unter Strafe. Wartelisten zwischen zwei und fünf Jahren wurden geführt, so begehrt war diese Berufssparte in jener Zeit. Nach zwei Jahre legte der Lehrling seine Prüfung ab und durfte unter Teilnahme an mindestens eines Feldzuges und weiteren siebenjähriger Gesellenzeit den Titel ,, Feldtrompeter" tragen

Die Trompeter unterschieden sich vom Erscheinungsbild wesentlich von den anderen Musikern. Mit Wappen geschmückte wertvolle Wimpel hingen an ihren Instrumenten. Farbenfroh bestickt waren die Uniformen, und die Straußenfeder wehte auf den Baretten und Hüten, Sie durften sogar ein Schwert tragen, womit sie in der Rangordnung den Offizieren gleichgestellt wurden. Von J.E. Altenburg erschien 1795 der ,,Versuch einer Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter- und Pauker-Kunst" steht über die Eigenschaft der Trompete geschrieben: ,,Mut macht ihr Klang, durchdringend und scharf, in der Höhe gleichsam schneidend, sowie in der Tiefe schmetternd. Am weitesten hört man sie unter allen Instrumenten, und vorzugsweise gibt ihr daher im übrigen den Namen Königin." Durch vorblasen oder mündliche Weitergabe, wurden Signale und Feldstücke auswendig gespielt.

Spielen nach Noten und die Einführung in die Clarinoblastechnik folgte alsdann in einem höheren Ausbildungs- lehrgang. Die hohe Lage der Naturtrompete bezeichnet man als ,,Clarino" , so dass man geschlossene Tonleiter spielen kann, weil die Töne so eng zusammenliegen. Im 16. Jahrhundert war diese Spielart besonders gefürchtet und erreichte zwischen 1740 und 1770 eine Epoche, die als Höhepunkt dieser Kunst galt. In Konzertstücken in Werken von Michael Haydn und Georg von Reutter wurden die nie wieder erreichte ,,Rekordhöhe" eines 24. Naturtones ( a bei der D-Trompete ) gefordert und gespielt. 

Ein Fanfarencorps wurde durch zwei, mit Naturfellen bespannte Kesselpauken, die der ,,Heerpauker" bediente, ergänzt. Als Baßinstrument unterstützten sie die sogenannten ,,Principalo" ( 3. Trompeter, also 3. Stimme ), die neben den ,,Clarino secundo" ( 2. Trompeter ) und ,,Clarino Primo" ( 1. Trompeter ) das klassische Trompeter- corps bildeten. Eine 4. Stimme wurde oftmals,  ,,decut" oder ,,Touquet" genannt, hinzugezogen, die lediglich die Pauken ( ,,Tympani" ) zu unterstützen hatte.

Mit dem Zerfall des ,,Heiligen Römischen Reiches Teutscher Nation" und der Erfindung der Ventilinstrumente Ende des 18. Jahrhunderts hob 1810 Friedrich Wilhelm III. in Preußen die Privilegien der Trompeterzunft auf und führte eine ,,Demokratisierung" des Musikleben ein. Reine Fanfarenzüge, wie sie heute auftreten, finden sich hauptsächlich im süddeutschen Raum und wurden in Erinnerung dieser alten Tradition aus Spielmannszügen der Vorkriegszeit gegründet.

Landsknechtstrommel, Militärtrommel und Pauken

Sammelbezeichnung für Membranophone, die als Schlaginstrument benutzt werden. Formal gehören Trommeln zur Gruppe der Membranophone, da der Klang durch die Schwingung einer Membran entsteht. Zu unterscheiden sind ein- und zweifellige Trommeln, außerdem Trommeln mit und ohne Resonator. Die Trommel wird mit den Händen (Finger, Handballen, flache Hand oder Knöchel) oder mit Stöcken, die auch als Schlegel oder Sticks bezeichnet werden, geschlagen. Der Rahmen, der einen Hohlkörper umschließt, hält die Felle straff und dient gleichzeitig als Resonanzkörper. Die Grundform des Rahmens ist ein Tubus, der verschiedene Ausprägungen annehmen kann: zylindrisch, wie bei der Basstrommel, fassförmig, wie bei einigen Trommeln Chinas und Indiens, becherförmig, wie bei der einfelligen darabukka aus dem Mittleren Osten und Nordafrika, und sanduhrförmig wie die doppelfellige japanische tsuzumi. Pauken sind einfellige, schalenförmige Trommeln. Sie sind in der Regel stimmbar und werden (mindestens) paarweise gespielt. Die Kesselpauken der abendländischen Konzertmusik (auch timpani) sind in der Bauweise vergleichbar mit der naqqara, einer Pauke aus dem islamischen Kulturbereich, und den nakers und bãya aus der klassischen indischen Musik.

Die Trommelrahmen werden üblicherweise aus Holz, Metall oder Keramik hergestellt. Die Felle bestehen aus Tierhaut oder Plastik. Sie werden mit Nägeln, Leim, Knöpfen, Pflöcken oder Schnüren am Rahmen befestigt. Bei modernen Trommeln sind die Spannschnüre durch Spannschrauben, die am oberen Reifen befestigt sind, ersetzt.

Trommeln wurden in allen Kulturen und zu allen Zeiten verwendet. Die ältesten Belege stammen aus der Zeit vor 6000 v. Chr. Überall haben sie eine ausgeprägte zeremonielle, heilige oder symbolische Bedeutung. In einigen Regionen Afrikas repräsentieren bestimmte Trommeln die Stammesführerschaft oder schützen diese und werden an geheiligten Orten aufbewahrt. In ganz Mittelasien, Sibirien und bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen werden ein- oder zweifellige, flache Trommeln von Schamanen und Medizinmännern benutzt. Das Tamburin, eine einfellige Rahmentrommel, an deren Rand sich klingende Metallscheiben befinden können, ist im islamischen Bereich ein traditionelles Fraueninstrument.

Darüber hinaus dienten Trommeln oft auch der Nachrichtenübermittlung. Durch ihren durchdringenden Ton konnten sie Nachrichten, deren Sprache in einem klaren System von Zeichen festgelegt war, meilenweit weitertragen. Die Militärtrommel oder Schnarrtrommel, die bei Infanterieregimentern Verwendung fand, übermittelte den Soldaten Befehle und gab die Laufgeschwindigkeit vor.

Die musikalische Verwendung von Trommeln kann vom einfachen Taktschlag bis zu vielschichtigen Rhythmen und Gegenrhythmen reichen. In allen Kulturen wurden unterschiedlichste, melodiebegleitende Rhythmen zu Gesang und Tanz gespielt. In Afrika oder in Südamerika z. B. spielen Trommelensembles komplizierte rhythmische Muster, die einander überlagern. Diese Muster variieren erheblich in ihrer jeweiligen Länge und rhythmischen Grundstruktur und werden vom Spiel des Trommelmeisters zusammengehalten.

Auf der Militärtrommel, die auch Schnarrtrommel oder englisch snare drum heißt, sind acht bis zehn drahtumwickelte Darmsehnen über das untere Fell gespannt, die durch Schläge auf die Felle zum Vibrieren gebracht werden. Die snare drum ist der wichtigste Teil des heutigen Schlagzeugs. Der Schnarrtrommel verwandt ist die tabor, eine zweifellige Trommel, die oft eine einfache Darmschnarre hat. Diese wurde in der europäischen Volksmusik nach mittelalterlichem Vorbild (etwa vom 5. bis zum 15. Jahrhundert) zu einer Dreilochflöte gespielt. Die Basstrommel der türkischen Militärmusik wurde in Europa im 18. Jahrhundert eingeführt. Die eimerförmigen, paarweise verbundenen Bongos und die zylindrische, fassförmige Conga sind afro-kubanischen Ursprungs. Das Tom-tom ist eine flache, zweifellige Trommel, die üblicherweise bei nordamerikanischen Indianern hergestellt wird.

Einige als Trommel bezeichnete Instrumente, wie die karibischen steel drums, sind keine Membranophone. Die steel drums bestehen zur Gänze aus schwingendem Material und gehören deshalb zu den Idiophonen (Selbstklingern). Auch die Schlitztrommel, die bei vielen Stammeskulturen vorkommt, ist idiophon. Sie besteht aus einem durch einen schmalen Schlitz ausgehöhlten Baumstamm.  


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© 1997 1. Fanfarenzug 1962 e.V. Bruchsal. / Letzte Änderung 26.05.2007